Eurovision Song Contest

Eurovision Song Contest in Turin: So sind die Regeln

Der Eurovision Song Contest ist eine dynamische Angelegenheit!

Mal fielen die Reformen gewaltig aus, mal blieb es beim Reförmchen. Beispielsweise hoffen die Teilnehmer erst seit 1975 auf die erlösende Höchstwertung "12 Punkte". Zur Übersichtlichkeit eine kleine Regelkunde für den 66. ESC in Turin:

  • Der Wettbewerbssong darf nicht länger als drei Minuten sein. Politische Botschaften etwa auf T-Shirts oder Bannern, per Handzeichen oder verbal sind verboten. Es dürfen maximal sechs Menschen, aber keine Tiere auf der Bühne stehen. Der Interpret muss am Tag des Halbfinales zumindest 16 Jahre alt sein und darf die Sprache des Vortrags frei wählen. Und in Coronazeiten mussten alle Teilnehmerländer eine Videovoraufzeichnung ihres Beitrages einreichen, sollte ein Land aufgrund der Pandemielage nicht nach Turin einreisen können oder wegen eines Covidfalls für die Liveperformance ausfallen.

So weit, so klar. Etwas komplexer ist der potenzielle Weg, wie der Gewinner oder die Gewinnerin des Musikwettbewerbs gekrönt wird.

  • Einen garantierten Startplatz im Finale haben grundsätzlich immer die Vertreter der größten Geldgeber der European Broadcasting Union (EBU) und der Titelverteidiger. 2022 bildet sich dieser erlauchte Kreis aus folgenden fünf Ländern: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien als "Big Five", wobei der Titelverteidiger und Gastgeber in jedem Falle im Finale stünde auch wenn er nicht Mitglied des Großzahlerclubs wäre.

 

  • In den zwei Halbfinalen werden je zehn Finaltickets vergeben. Insgesamt matchen sich im Finale also 25 Nummern um Europas Sangeskrone.

 

  • Alle 40 Länder, die beim heurigen ESC teilnehmen, sind beim Finale stimmberechtigt auch jene, die bereits in den Halbfinalen ausgeschieden sind.

 

  • Die Wertung eines Landes setzt sich aus dem Votum des Publikums via Anruf, App oder SMS sowie dem Votum einer fünfköpfigen Expertenjury zusammen. Derzeit werden die beiden Teilergebnisse im Verhältnis 50:50 gewichtet. Die besten zehn Titel werden mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 12 Punkten bewertet. Und selbstredend kann man nicht fürs eigene Land abstimmen.

 

  • Die Punkte der Jurys und der Zuschauerabstimmung werden dabei nicht pro Land kombiniert, sondern einzeln gewertet. Konkret vergibt damit jedes Land also zweimal 12 Punkte. Zunächst stellen die Ländersprecher in gewohnter Manier am Finalabend nur die 12 Punkte der Jurywertung vor, während die Punkte 1 bis 8 sowie 10 eingeblendet werden. Dann ist das Publikumsvoting an der Reihe: Als erstes werden die Publikumspunkte für jenes Land genannt, das am wenigsten Punkte von den Jurys erhalten hat. Der Gewinner des Juryvotings indes bekommt als letztes seine Publikumspunkte genannt. Dieses System soll den Gewinner möglichst lange offen halten - und die Spannung steigern, sollten die Zuschauer das Prozedere verstehen.

 

  • Sollte es trotz allen mathematischen Bemühungen am Ende einen Gleichstand zwischen zwei Ländern geben, gewinnt jenes Land, das vom Publikum höher bewertet wurde. Das Zuschauervotum hat in diesem Fall also Vorrang. Sollte auch die Zahl der Zuschauerstimmen für die beiden Songs genau gleich sein, liegt jener Song vorne, der aus mehr Ländern Publikumsstimmen bekommen hat. Sollte auch diese Zahl gleich sein, obsiegt jenes Land, das öfter 12 Punkte bekommen hat. Wenn auch dies keinen Sieger ermittelt, wird diese Regelung bis hinunter zu 1 Punkt fortgeführt. Und sollte der mathematisch unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sich auch bis zu Punkt 1 für beide Länder ein Gleichstand ergibt, wird das Land zur Siegernation gekürt, das die frühere Startnummer im Finale hatte.