Donauinselfest von oben

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Donauinselfest mit grandiosem Abschluss

Dieses Wochenende fand in Wien das 39. Donauinselfest statt - nach zwei Corona- Jahren wieder in bekannter Form. In einer Aussendung war von mehr als 2,5 Millionen Besucher*innen die Rede, die zu Acts von Edmund, Nico Santos und Jan Delay feierten. 


Eine "Feuertaufe" erlebte die neue FM4-Bühne. Sie darf als gelungen gelten. Bisher befand sich die Bühne am nördlichen Ende der Partymeile, idyllisch gelegen in einer Naturarena zwischen Floridsdorfer Brücke und Nordbrücke. Diese Stage ist zumindest in Sachen FM4-Line-Up inzwischen Geschichte. Stattdessen befindet sich nun die 88.6-Rockbühne dort. Als FM4-Stage fungiert nun die große zentrale Festbühne am Sonntag - wobei dies bereits beim "abgespeckten" Fest im Vorjahr der Fall war. An den anderen Tagen gibt es eine solche nicht mehr.

Begründet wurde die Rochade mit Sicherheitsbedenken. Denn zuletzt sei der Andrang auf den alten FM4-Bereich oft sehr groß gewesen, hieß es. Tatsächlich finden vor der Festbühne deutlich mehr Menschen Platz - die angesichts des Traumwetters auch in großer Zahl zur Mainstage strömten. Headliner war dort der deutsche Sänger Jan Delay - begleitet von seiner Live-Combo Disko Nr. 1.

Zuvor standen heimische Künstlerinnen und Künstler - vorwiegend im Genre Deutschrap beheimatet - im Fokus: etwa die Wiener Rapperin Verifiziert, das Trio Sharktank sowie die Sängerin Eli Preiss und Mavi Phoenix. Namhafte Acts waren aber auch auf anderen Insel-Arealen anzutreffen. So enterte der Song-Contest-Mehrfachsieger Johnny Logan die Schlagerbühne. Im Ö1-Kulturzelt traten unter anderem Ernst Molden und Ursula Strauss auf.

 

 

Spektakuläres Line up 

"Es ist so heiß", konstatierte einer der ersten Akteure auf der FM4-Bühne, der Wiener Nachwuchs-Rapper Lawrenco. Es sei Zeit für die Nacht, befand er - nicht zuletzt deswegen, weil einige seiner Songs sich genau mit dieser beschäftigen. "Nightcrawler" ist etwa eine Hymne an die Clubs, die in den vergangenen Jahren so lange Zeit geschlossen hatten. Dass der Auftritt mit Pyrotechnik garniert wurde, sorgte allerdings für zusätzliche Wärme.

Für die junge Sängerin mit dem Künstlernamen Verifiziert war der Auftritt nicht zuletzt deswegen ein Erlebnis, weil er auf einer Bühne stattfand, die vier Mal so groß war wie ihre Wohnung, wie sie erzählte. Sie präsentierte entspannte Songs für ein entspanntes Publikum - das wiederholt zum Mittanzen aufgefordert werden musste, angesichts der Temperaturen die Bewegungen aber meist wieder bald reduzierte.

Mit "Lady Boba" hatte Verifiziert tatsächlich ein Stück mit im Gepäck, in dem die Donauinsel eine Rolle spielt - auf die die "Sonne ballert". Mehr textlichen Lokalbezug gab es am Inselfest wohl bisher nur selten. Ebenfalls zu hören war ihre bisher wohl bekannteste Single "Tschick". Für einen Kurzauftritt gesellte sich auch Rap-Kollege Jugo zu ihr auf die Bühne.

Für einen der Künstler bedeutete der Gig eine Rückkehr auf das Inselfest: 2018 war Mavi Phoenix noch auf der "alten" FM4-Stage zu Gast. In der Zwischenzeit hat sich für den Sänger und Rapper vieles verändert - was nicht nur an der Corona-Pause lag. Mavi, geboren als Marlene Nader, hört inzwischen auf den Rufnamen Marlon. Dem Transouting folgte eine Hormonbehandlung, die auch eine dunklere Stimme zur Folge hatte.

Auch Mavi Phoenix hatte neues Material mitgebracht - sein kürzlich erschienenes zweites Album "Marlon". Auszüge daraus gab es naturgemäß heute zu hören, etwa die Nummer "Grass In the Sun". Auch ältere Songs, wie der Hit "Aventura", wurde zum Besten gegeben. "Wunderschön ist es mit euch", freute sich der Künstler sichtlich über seine Rückkehr aufs große Fest. Eingehüllt in eine Regenbogenflagge gedachte er auch dem jüngsten Terroranschlag in einer LGBTQ-Bar in Oslo.

Es folgte ein deutlich älterer Herr mit Hut - und markanter Stimme: Jan Delay. Der Hamburger Hip-Hop-Musiker fungierte als Headliner auf der neu konzipierten FM4-Location. Entsprechend groß war der Andrang. Zehntausende jubelten in Festivalstimmung dem Abschluss-Act zu - der sich wiederholt über die beeindruckende Kulisse erfreut zeigte.

"Ich bin so lange nicht in Wien gewesen, und dann so ein Empfang", konstatierte der Gast aus Deutschland. "Ich liebe Wien", beteuerte er. Der große Jubel ließ darauf schließen, dass die Zuneigung auf Gegenseitigkeit basierte.

Jan Delays jüngstes, im Vorjahr erschienenes Album, heißt "Earth, Wind & Feiern", daraus wurden auch Kostproben serviert. Funk und Beat spielen darauf eine wichtige Rolle - sowie erneut eine klare politische Haltung. In "Spaß" singt er etwa über Alltagsrassisten, die noch selbigen noch nie hatten und darum voller Hass sind. Nicht fehlen durfte natürlich auch sein Superhit, das Nena-Cover "Irgendwie, irgendwo, irgendwann".

Drei Tage Inselfest 

Das von der SPÖ veranstaltete Donauinselfest konnte auch heuer wieder bei freiem Eintritt besucht werden. Auch Coronabeschränkungen gab es keine mehr. Am Nachmittag war vor allem noch Chillen und Baden angesagt. Die Ufer der Neuen Donau waren stark frequentiert. Anzutreffen waren zunächst, wie meist am Sonntag, zahlreiche Familien mit Kindern.

Schon die beiden vergangenen Tage hatten bereits für Inselfest-Feeling in gewohnter Manier gesorgt. Der Andrang war groß - und die Besucherinnen und Besucher blieben auch von den etwa für Samstagabend befürchteten Gewittern verschont. Zu den Main-Acts gehörten bisher Nico Santos, Mathea, Steffi Werger oder Peter Cornelius. Als wohl prominentester Besucher flanierte Bundespräsident Alexander Van der Bellen gemeinsam mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Samstag über die Inselsause.

 

Lichtermeer für die Ukraine 

Während dort gefeiert wurde, werden in der Ukraine vom Nachbarn Russland flächendeckend Städte bombardiert. Am Freitag wurde am Festgelände dem Kriegsgeschehen darum gedacht. Vor 22.00 Uhr wurde vor jeder Bühne per Handy-Lichtermeer ein Zeichen für Frieden gesetzt. Zudem trat die ukrainische Popband Latexfauna jeden Tag auf der "Friedensbühne" auf. Mittels Becherpfand wurden Spenden für die Flüchtlingshilfe gesammelt.

Das Geschehen auf der Donauinsel selbst verlief bisher weitgehend friedlich. Die Polizei blickte am Sonntag auf ein bisher ruhiges Fest zurück, wie via Aussendung betont wurde.