bombardiertes Einkaufszentrum

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Einkaufszentrum bombardiert: Mindestens 18 Tote

Am Montag wurde in der Ostukraine ein Einkaufszentrum von einem russischen Luftangriff getroffen. Mittlerweile ist die Zahl der Toten auf mindestens 18 gestiegen, wie der Gouverneur des Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin mitteilte. 60 Personen wurden verletzt, 36 weitere werden vermisst. 


Hunderte Einsatzkräfte seien vor Ort. Die Ukraine machte Russland für den Angriff verantwortlich. Die Attacke wurde international scharf verurteilt. 

Die Rakete war am Nachmittag in das Gebäude eingeschlagen. Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte zufolge sollen bei dem Angriff Luft-Boden-Raketen des Typs X-22 eingesetzt worden sein. Diese seien von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden, hieß es.

Über 1.000 Zivilist*innen im Gebäude

Vor dem Angriff war Luftalarm ausgelöst worden. Innenminister Denys Monastyrskyj ging davon aus, dass sich trotz Alarms noch 200 bis 1.000 Menschen in dem Einkaufszentrum aufgehalten hätten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zunächst gesagt, dass mehr als 1.000 Menschen in den Gebäude waren.

Der G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau drohte Russland mit Konsequenzen. "Wahllose Angriffe auf unschuldige Zivilisten sind Kriegsverbrechen. Russlands Präsident Putin und die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen werden", hieß es in einer Erklärung der Gipfelteilnehmer am Montagabend.

International verurteilt 

"Der Angriff Russlands auf Zivilisten in einem Einkaufszentrum ist grausam", schrieb US-Präsident Joe Biden in der Nacht auf Dienstag auf Twitter. "Wir sind solidarisch mit dem ukrainischen Volk." Auch der britische Premierminister Boris Johnson verurteilte den Beschuss des Einkaufszentrums. "Dieser entsetzliche Angriff zeigt erneut, zu welchem Ausmaß an Grausamkeit und Barbarei der russische Staatschef fähig ist", meinte Johnson am Rande des G7-Gipfels.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Anschlag als "absoluten Horror". Man teile den Schmerz der Familien der Opfer und die Wut über eine solche Schmach, schrieb der Staatschef am Montagabend in einem Tweet. Das russische Volk müsse die Wahrheit sehen.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) betonte: "Die grausamen Raketenangriffe auf Zivilisten sind unerträglich. Ich verstehe nicht, wie man solche Verbrechen begehen kann. Das Blutvergießen muss endlich aufhören", forderte Nehammer am Montagnachmittag auf Twitter.

Am Dienstag beschäftigt die Attacke dann ab 21.00 Uhr MESZ den UNO-Sicherheitsrat. Das Treffen des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen war auf Bitten der Ukraine anberaumt worden.

Kämpfe um strategische Punkte in der Ukraine

Im Osten der Ukraine gehen indes nach Angaben aus Kiew die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk weiter. Der Feind stürme die Siedlung Wowtschojariwka südwestlich der Stadt, teilte der ukrainische Generalstab am Dienstag früh in seinem Lagebericht mit. Russische Einheiten stehen im Süden bereits am Stadtrand. Gekämpft werde zudem an einer Ölraffinerie. Der "Feind" gebe zudem die Hoffnung nicht auf, eine wichtige Straße zwischen Lyssytschansk und der weiter westlich gelegenen Stadt Bachmut zu kontrollieren, hieß es weiter in dem Lagebericht. Auch dort habe es Artillerieangriffe gegeben. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Lyssytschank ist die letzte große Stadt in der Region unter ukrainischer Kontrolle. Dort sollen noch mehrere Tausend ukrainische Soldaten stationiert sein. Nach ukrainischen Angaben haben russische Truppen neben dem Einsatz von Mörsern und Artillerie auch Luftangriffe in Richtung der Stadt geflogen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj ersuchte indes den Westen mit Nachdruck um moderne Luftabwehr-Systeme. Die Ukraine habe schon vor dem Krieg und direkt nach der russischen Invasion darum gebeten, betonte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache in der Nacht auf Dienstag. "Die Leute im Einkaufszentrum in Krementschuk verdienten die gleiche Sicherheit wie Leute in jedem Einkaufszentrum der Welt, ob irgendwo in Philadelphia oder Tel Aviv, oder in einer Einkaufspassage in Dresden."